Wie kam es zum Bau der Fräkmünt-Kapelle?

 

In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts erlebte das zur Gemeinde Hergiswil gehörende Fräkmüntegg-Gebiet sowohl im Sommer als auch im Winter einen bedeutenden Zustrom an Touristen. Der Wunsch nach einer Gottesdienstgelegenheit wurde immer lauter. Anfänglich begnügte man sich mit dem Wartsaal der Bahn, stellte dann aber rasch fest, dass dies auf Dauer keineswegs befriedigen konnte. Also taten sich namhafte Persönlichkeiten aus den Kirchgemeinden Luzern, Kriens, Horw und Hergiswil zusammen, um das Problem anzugehen.

 

1958

Unverzüglich gründete man einen Kapellenbauverein. Präsident wurde Prof. Dr. Can. G. Staffelbach und als Aktuar wurde Vikar Joseph Hardegger bestimmt. An der konstituierenden Vereinsversammlung vom 4. November 1958 wurden die Statuten genehmigt und dem Bischöfl. Ordinariat in Chur zur Genehmigung eingereicht, die am 22. Mai 1959 eintraf. Der Verein warb sofort intensiv um Mitglieder.

 

In einem feurigen Aufruf animierte Vikar Joseph Hardegger die Bevölkerung zum Spenden und winkte gleich mit "dem Eintrag im goldenen Buch  der edlen Stifter". Er verwies auf den geplanten Bazar auf zwei Vierwaldstättersee-Dampfschiffen und empfahl den Verkauf der eigens zu diesem Bauprojekt erstellten handgemalten Karten. 

 

1959

Architekt Otto Schärli aus Luzern präsentierte ein gefreutes Projekt für den Bau der Kapelle und stellte dieses gratis zur Verfügung. 

 

Der angestossene Bazar auf den Schiffen "Stadt Luzern" und "Wilhelm Tell" (zuerst in Luzern und dann in Hergiswil) wurde minutiös vorbereitet und liess einen Grosserfolg erwarten.

 

Die Kantonale Heimatschutzkommission Nidwalden äusserte sich sehr positiv zum Projekt.

 

Im Juli informierte das Pfarreiblatt St. Paul, Luzern über das Vorhaben.

 

Am 16. Juli 1959 erteilte die Gemeinde Hergiswil die Baubewilligung.

 

Im Oktober machte das Pfarrblatt Hergiswil intensiv Werbung für die Bergkapelle.

 

Am 9. Dezember 1959 präsentierte Architekt Schärli die erste Kostenzusammenstellung.

 

1960

Der Mitgliederzuwachs der Kapellenbauvereins war sehr erfreulich. Waren es an der ersten GV 1959 noch 17 Mitglieder, zählte die GV 1960 bereits deren 70.

 

Unverzüglich begann man sich mit den Vorbereitungen des Baus zu befassen. S

 

Gemeinsame Anstrengungen vor dem Bau

Alle Beteiligten setzten sich mit sehr viel Engagement für das Projekt ein. Teils recht originelle Aktivitäten zu rMittelbeschaffung wurden da ins Auge gefasst. Hier nur ein paar davon:

  • Bettelaktion,  von Frau Gmür-Schmucky, Wesemlinstrasse, praktisch allein durchgeführt,
  • Spendenaufruf von Vikar Josef Hardegger,
  • Bordbazar auf den Schiffen "Stadt Luzern" und "Wilhelm Tell" in Luzern und Hergiswil,
  • Überarbeitung der Kostenstruktur:
    - Neue Richtofferten,
    - Zusicherung von Fronarbeiten von Institutionen und Privatpersonen,
    - Beschaffung der Steine nicht vom Lopper, sondern direkt ab Fräkmünt,
    - Holz-Schneiden usw. in Zusammenarbeit mit Baufirma der Skiklubhütte auf Mühlemäss,
    - Namhafter finanzieller Beitrag der Pilatusbahn.

Auf diese Weise konnten die voraussichtlichen Baukosten auf ca. 160'000 bis 180'000 Franken gesenkt werden.

 

Grundsteinlegung

Am 25. September 1960 fand diese in einer feierlichen Zeremonie statt.

 

Guter Fortschritt der Bauarbeiten

Dank dem Enthusiasmus aller Mitarbeitenden und dem unermüdlichen Einsatz der Bauverantwortlichen konnte der Bau praktisch innerhalb Jahresfrist fertiggestellt werden.

 

 

1961

Am 10. September 1961 konnte Stiftsprobst Alois Beck, Luzern die Bergkapelle feierlich einweihen. Sie bietet Platz für 200 Personen. Jeden Sonntag in den Sommermonaten von Mai bis Oktober wird jeweils um 10.00 Uhr Gottesdienst gehalten; stets sehr gut besucht übrigens! Seit Jahren finden sich jeweils am ersten oder zweiten Januar-Sonntag die Behördenvertreter von Hergiswil in der Kapelle ein, um im traditionellen "Behörden-Gottesdienst" die Gnadenmutter um eine segensreiche Tätigkeit im neuen Jahr zu bitten.

 

Ein Stiftungsrat mit Vertretern aus den angrenzenden Gemeinde sorgt für den ordnungsgemässen Weiterbestand des prächtigen Gotteshauses, eines herrlichen Gemeinschaftswerkes, wie es eine Gedenktafel mit folgender Inschrift beschreibt:

 

BERGKAPELLE FRÄKMÜNTEGG-PILATUS,

GEBAUT 1960 DURCH DEN KAPELLENBAUVEREIN.

INITIANT: DR. GEORG STAFFELBACH, LUZERN.

AUF LAND DER KORPORTATION HERGISWIL NW.

IM SPRENGEL DER PFARREI HERGISWIL.

ARCHITEKT: OTTO SCHÄRLI-GRAF SA SWB 

 

Die Wendelins-Statue am linken Eingang der Kapelle wurde von den Pröpsten von St. Leodegar gestiftet.

 

 

Wem ist die Kapelle geweiht?

 

Die Fräkmünt-Kapelle ist Maria im Gebirge geweiht. So wurde vor allem dem Wunsch Hergiswils entsprochen, dass es eine Muttergottes-Kapelle werden soll. Sie wurde erbaut zur Verherrlichung Gottes, zu Ehren seiner lieben Mutter unter dem Titel "Maria im Gebirge", zu Ehren des heiligen Bruder Klaus, unseres Landesvaters, und zu Ehren des heiligen Wendelin, des Patrons der Hirten.

 

Das Kirchweihfest wird am 2. Sonntag im September gefeiert.

 

 

Wer soll die Kapelle benützen?

 

Grundsätzlich ist sie ein katholisches Gotteshaus. Sie ist der Röm.-Kath. Kirchgemeinde Hergiswil unterstellt und steht letztlich unter deren Verwaltung sowie der Obhut des Bistums Chur.

 

Die Kapelle steht nach Möglichkeit und Vereinbarung mit der Kapellenstiftung und dem katholischen Pfarramt Hergiswil auch andern christlichen Bekenntnissen zu gottesdienstlichen Zwecken zur Verfügung.

 

1962

Aus dem Jahresbericht des Präsidenten des Kapellenbau-Vereins:

  • Der Bau kam kaum auf die Hälfte dessen zu stehen, was man bei ersten Berechnungen ins Auge gefasst hatte. Die ursprüngliche Kostenberechnung belief sich nämlich auf stolze 312'000 Franken.
  • Die Bauabrechnung aber schloss mit Kosten von nicht ganz 134'000 Franken ab.

Dieses erfreuliche Ergebnis konnte nur erreicht werden dank

  • Gratislieferungen von Holz und Steinen durch die Korporation,
  • knappster Kalkulation und akribischer Kostenüberwachung durch die Baufirma Guidali,
  • Arbeiten von Zimmermeister, Dachdecker, Schreiner und anderer Handwerker praktisch zum Selbstkostenpreis, wenn nicht sogar gratis,
  • Gratisarbeiten des Maler- und Schlossermeisterverbandes der Innerschweiz.
  • Spende der Glocke mitsamt des Aufzugs durch Herrn Fuchs vom Hotel Pilatus, Hergiswil, 

 

Das Bauwerk von Architekt Otto Schärli passt sich wunderschön in die Landschaft ein; das feingefügte Mauerwerk trägt das Seinige dazu bei. Im Innern der Kapelle sorgen das schlichte  Mauerwerk, das Holzwerk (vom Vater des Zimmermeisters Bucher selber an der Diele aufgetragen), die erfrischenden bunten Glasfenster von Herrn Stöckli, verbunden mit dem gedämpften Licht der Glasfenster, das gerade auf den Altar fällt, für eine ganz besondere Wärme in diesem prachtvollen Raum.

 

Vom Kapellenbau-Verein zur Kapellen-Stiftung

 

1963

Der Kapellenbau-Verein wird aufgelöst.

Unter dem Namen "Römisch-katholische Kapellenstiftung Fräkmüntegg, Hergiswil am See, Nidwalden" wird für die Erhaltung der vom Kapellenbauverein Fräkmüntegg in den Jahren 1960/61 erbauten Kapelle auf Fräkmünt eine kirchliche Vereinigung als juristische Person mit Sitz in Hergiswil am See, Nidwalden, gemäss Art. 60-89 ZGB und der Stiftungsurkunde errichtet.

 

Die römisch-katholische Kapellenstiftung Fräkmüntegg hat den Zweck, unter Aufsicht und im Einverständnis mit dem katholischen Pfarramt Hergiswil am See das religiöse Leben und Pflichterfüllung unter den Bewohnern des Pilatus- und Fräkmüntgebietes nach Möglichkeit zu fördern. Um diesen Zweck zu erreichen, bemüht sich die Kapellenstiftung nach besten Kräften um den stiftungsgemässen Weiterbestand der Kapelle und besonders für die Kosten des Gottesdienstes aufzukommen.

 

Allen bisherigen Mitgliedern des Kapellenbau-Vereins werden die neuen Statuten zugestellt, da sie automatisch Mitglieder der Kapellenstiftung geworden sind.